Ich hatte/habe ein paar Raspberry Pi Modelle:
- Raspberry Pi 1 Model B
- Raspberry Pi 3 Model B oder B+ (weiß ich gerade nicht mehr genau)
- Raspberry Pi Zero W
- Raspberry Pi 4 8 GB
Gerade mit dem ersten habe ich einfach viele Dinge ausprobiert, vielleicht mal 1-2 kleine Dienste wie einen DNS-Server für das Heimnetz drauf laufen lassen. Von der Leistung her konnte man damit mit nur einem CPU-Kern und 512 MB RAM keine Bäume ausreißen, ich erinnere mich aber, dass man den recht einfach von 700 MHz auf mehr als 900 MHz übertakten konnte. Außerdem konnte schon der erste Pi in Hardware H.264 dekodieren und enkodieren (zumindest bis 1080p), zusammen mit dem HDMI-Anschluss konnte man den also auch schon als halbwegs passable TV-Box verwenden. Ist auch der einzige Pi mit integriertem, analogem Videoausgang (zusätzlich zu HDMI).
Mit dem 3B habe ich auch einfach viel experimentiert, mittlerweile werkelt der aber als TV-Receiver bei meinen Eltern am Fernseher. Dafür läuft auf dem Pi selbst LibreELEC (eine Distribution, die auf das Ausführen von Kodi ausgelegt ist). Per USB ist ein DVB-S Empfänger angeschlossen und via Kodi kann man dann ganz normal TV schauen, aber auch Sendungen aufnehmen. Entweder direkt über Kodi, aber auch über eine Weboberfläche. So kann man einfach vom Rechner in einer elektronischen Programmzeitschrift auswählen, was man aufnehmen möchte und kann sich später auch direkt die Videodatei auf den PC übertragen. Für diesen Pi habe ich auch die
MPEG-2 Lizenz aus dem Store gekauft (für um die 3,-€), die den im Chip integrierten Hardware-Decoder für MPEG-2 freischaltet (TV-Sender in SD übertragen in der Regel MPEG-2). Der Pi 3B war noch nicht schnell genug, um MPEG-2 komplett ruckelfrei in Software zu dekodieren, vor allem nicht, wenn noch die Kodi-Oberfläche und ggfs. eine Aufnahme läuft. Insgesamt funktioniert das Setup sehr zuverlässig, allemal besser als irgendwelche Billig-Receiver mit Aufnahmefunktion.
Mit dem Pi Zero W und der Pi Camera (die Variante, wo man kleine Objektive drauf mounten kann) habe ich mal eine Webcam gebastelt. Viel gebastel, aber am Ende hatte ich eine Kamera die Plug-and-Play ist und qualitativ deutlich besser war, als alles, was Logitech und Co. damals so als Webcams verkauft haben. Wahrscheinlich sind aktuelle Webcams in höheren Preissegmenten aber besser.
Den Pi 4 habe ich in der Variante mit 8 GB RAM geholt, da ich da ein paar Dienste - teilweise als Docker Container - drauf laufen lassen habe. Mittlerweile macht das ein Intel NUC aber deutlich besser. Ehrlich gesagt finde ich die Raspberry Pi seit dem 4er eher uninteressant. Preislich macht das selten noch Sinn - für über 50,-€ bekommt man das Basismodell vom Pi 5 mit nur 2 GB RAM, 8 GB kosten schon über 80,-€ und 16 GB über 130,-€. Dann hat man aber nur das Board. Man braucht noch Speicher - standardmäßig microSD, ein Gehäuse, Netzteil und je nach Anwendungsfall einen Ein-/Ausschalter und ein micro-HDMI auf HDMI Adapter. Letzteres ist finde ich super unpraktisch. Konnte man alle Pi-Modelle bis einschließlich 3B+ noch einfach per regulärem HDMI an jedem modernen Display anschließen, hat man jetzt diesen blöden micro-HDMI Anschluss, den ich so auch nur vom Raspberry Pi kenne, d.h. die Adapter, die ich damals dafür gekauft hatte, taugen auch für nichts anderes, als dem Raspberry Pi.
Zuletzt hatte ich den Pi 4 auf einer LAN-Party als kleinen Router mit OpenWRT im Einsatz. Das Gerät ist halbwegs okay dafür, mehr aber auch nicht. Dank PoE Hat (zusätzliches Board) kann man den einfach mit einem Ethernet-Kabel an einen PoE Switch anchließen und er wird darüber mit Strom versorgt. Per USB ein altes iPhone angeschlossen und den iPhone-Hotspot freigegeben (an der Location war kein fester Internetanschluss), sodass OpenWRT darüber die Internetverbindung an das LAN verteilt hat. Die USB-Anschlüsse am Pi liefern aber so wenig Strom, dass das iPhone im Energiesparmodus betrieben werden muss, damit es sich nicht entlädt. Hätte ich den Pi nicht schon gehabt, hätte ich für die Aufgabe wahrscheinlich was anderes besorgt.
Beim Pi 5 haben sie auch noch Hardware En- und Dekodierung von H.264 eingespart. Klar, der ist mittlerweile schnell genug, um auch höher aufgelöste H.264 Videos in Software zu dekodieren, aber für den Stromverbrauch und die Systemlast ist es natürlich besser, wenn das nach wie vor in Hardware geschehen würde. Zusätzlich hätte man wenigstens mal einen AV1 Decoder in Hardware integrieren können. So ist der Pi für aktuelle Medien kaum geeignet. Und wie gesagt, bei dem Gesamtpreis, bei dem man landet, nachdem man quasi erforderliches Zubehör zuzählt, ist man mit einem Mini-PC (also was "Intel NUC" ähnliches) oft besser bedient. Habe gestern erst einen Mini-PC bei Kaufland für 165,-€ gesehen - mit 16 GB RAM, 512 GB SSD und Intel Atom N100. Der Atom N100 ist locker doppelt so schnell wie die CPU des Pi 5 und die integrierte GPU kann H.264, H.265 und AV1 dekodieren (und die ersten beiden auch enkodieren). Natürlich mit Gehäuse und Netzteil im Lieferumfang - ah, und HDMI in voller Größe und 2,5 Gbit/s Ethernet.
Würde ich also eigentlich nur noch empfehlen, wenn man irgendwas spezielles mit den GPIO-Pins machen will UND dafür leistungstechnisch ein Mikrocontroller nicht ausreicht. Bis zum 3B+ echt schöne Teile, mittlerweile ist der Markt aber mit brauchbaren Mini-PCs überschüttet, die für die meisten Anwendungsfälle ein deutlich besseres Preis-/Leistungsverhältnis bieten.
Aber was man schon hat, kann man natürlich auch verwenden, wenn es sich halbwegs für den Einsatzzweck eignet.